Samstag, September 17, 2005

Meinungsbild und Stimmungsmache

Als kleine Einstimmung zum Wahlsonntag:


Hans Olaf Henkel Stiftungsleiter und Autor

Zu dieser Wahl gehe ich mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite hoffe ich, daß die Wähler dem rot-grünen Spuk ein Ende bereiten, daß ein Bundeskanzler, der viele Unbedarfte auf das geschickteste verführt und in die falsche Richtung gelenkt hat, durch eine Kanzlerin ersetzt wird, die das sagt, worauf es ankommt. Auf der anderen Seite erscheint es mir fast ungerecht, daß Schröder, Fischer, Trittin & Co. sich bald so billig wie einst auch Lafontaine davonstehlen können. Sie hätten es verdient, die Suppe, die sie uns eingebrockt haben, auch auslöffeln zu müssen. So ist zu befürchten, dass diejenige, die demnächst versucht, die Scherben wegzuräumen, sich bald von denjenigen kritisieren lassen muß, die das wirtschafts- und außenpolitische Porzellan erst zerschlagen haben.


Roland Berger Unternehmensberater

Deutschland steht in der Tat vor einer Schicksalswahl. Fehlendes Wirtschaftswachstum, eine überbordende Staatsverschuldung von 330 Prozent des Bruttosozialprodukts, 7 Mio. Arbeitssuchende und die sozialen Sicherungssysteme an der Grenze zur Zahlungsunfähigkeit: Unser Land ist wirtschaftlich strukturell eingebrochen, trotz Gerhard Schröders mutiger und richtiger Reformen und erster Erholungstendenzen. Die neue Regierung braucht daher viel Mut zur weiteren Erneuerung unseres Landes, eine glaubwürdige marktwirtschaftliche Ausrichtung und ein christlich-abendländisches Wertesystem.


Rolf Tophoven Terrorismusexperte

Ich atme auf! Die Stunden der oft kaum von inhaltlicher Substanz geprägten TV-Duelle sind vorbei. Ein Wahlkampf geprägt von Emotionen und geschickt verpackten populistischen Eruptionen ist zu Ende. Endlich, am Sonntag ist "High noon" - die Stunde der Entscheidung! Die Stunde des Souveräns, des Wählers, schlägt. Wie selten vor einer Wahl liegt über dem Votum vom Sonntag ein Schleier der Ungewißheit ob ihres Ausgangs. Reizvoll für die Meinungsforscher - gewiß. Doch fatal für das Land. Denn Deutschland braucht Klarheit in der Politik, braucht Mut für wirtschaftlichen Aufschwung. Dazu bedarf es eines eindeutigen Wählervotums. Das wünsche ich mir. Die "Showtime" des Wahlkampfes ist vorbei. Es geht nicht mehr um die bessere Selbstdarstellung, sondern um Kompetenz und die langfristig besseren Konzepte. Darüber müssen wir am Sonntag alle entscheiden. Es ist in der Tat eine Richtungsentscheidung für Deutschland.


Norbert Walter Chefökonom

Die vorgezogene Bundestagswahl 2005 wird eine Weichenstellung ohne Beispiel in den letzten 50 Jahren. Die Nachkriegszeit ist endgültig vorüber, die Wiedervereinigung wegen der Fortsetzung sozialistischer Politik unter Schwarz-Gelb und Rot-Grün verunglückt. Die Herausforderungen durch eine immer stärker globalisierte Welt vermehren sich, die Fähigkeit vital und kraftvoll darauf zu reagieren, hat sich infolge des demografischen Niedergangs verschlechtert. Mit dieser Wahl müssen Freiheit und Eigenverantwortung, "Unternehmer werden" und "für Innovation sorgen" zum Maßstab des Handeln werden. Die Koalition folgte Schröder schon beim zu Ende gehenden Versuch nicht. Hoffentlich weiß Merkel die Alt-Sozialisten ihres Lagers daran zu hindern, der Zukunft und den dazu nötigen Reformen im Wege zu stehen.


Bassam Tibi Professor

Als Professor für Internationale Politik mit globaler Vernetzung weiß ich, daß Schröder und Fischer großen Schaden in der Außenpolitik angerichtet haben. Als ich vor meiner Abreise nach New York wegen einer Gastprofessur meinen Wahlzettel in den Briefkasten warf, hatte ich ein gutes Gefühl, etwas für meine Heimat getan zu haben. Merkel ist die bessere Bundeskanzlerin für einen Neubeginn in Deutschland


Henryk Broder Publizist und Autor

Zum ersten Mal in meiner 40jährigen Karriere als Souverän werde ich nicht die SPD wählen. Auch nicht die Grünen. Ich war lange genug das typische Stimmvieh, das noch einen Besenstiel gewählt hätte, wenn daran der Zettel "rot-grün" geklebt hätte. Erst aus Überzeugung, es gab zur SPD keine Alternative, dann aus Kalkül. Es war eben das "kleinere Übel". Als Gerhard Schröder Kanzler wurde und Joschka Fischer Außenminister, empfand ich einen Anflug von deutschem Stolz: Ein Land, in dem der Sohn einer Putzfrau und ein Opel-Hilfsarbeiter es so weit bringen können, ein solches Land ist besser als sein Ruf.


Brigitte Kronauer Schriftstellerin

Ich versuche zu hoffen: Auf eine der sozialen Gerechtigkeit verpflichtete Innenpolitik, eine Außenpolitik, die unbeirrbar auf Diplomatie setzt und, last not least, auf ein Umweltministerium, das nicht vor den Forderungen der Wirtschaft in die Knie geht.



2 Comments:

Kommentar veröffentlichen

<< Home